Zwangsarbeiterlager
Eine Gedenktafel erinnert an Nationalsozialistische Zwangsarbeitslager auf dem Gelände der MBS
Am 19. April 2007 wurde am Haupteingang der Max-Brauer-Schule eine Tafel zur Erinnerung an die beiden Zwangsarbeiterlager »Moortwiete« eingeweiht, welche auf dem Gelände der Max-Brauer-Schule und dem angrenzenden Gelände des Kindergartens während des Zweiten Weltkrieges existierten. Zwischen 600 und 1000 Frauen, Männer und Kinder waren dort untergebracht.
An der feierlichen Einweihungsveranstaltung im Musiksaal der Schule nahmen ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine, aus Weißrussland und Russland teil.
Vier dieser Gäste, die aus dem gleichen russischen Dorf stammten, welches von deutschen Soldaten abgebrannt wurde, waren selbst als Jugendliche oder Kinder im Lager »Moortwiete« gewesen.
Der Name »Moortwiete« ist der frühere Straßenname der Daimlerstraße, von der aus beide Lager betreten wurden.
Bis zum Mai 2006, als sich eine Schülerarbeitsgruppe aus der Klasse 10d mit dem Thema zu beschäftigen begann, war die Existenz der beiden Zwangsarbeitslager in unserer Schule nicht bekannt, auch in der benachbarten Kirchengemeinde oder in der weiteren Umgebung der Schule fand die Arbeitsgruppe niemanden, der darüber etwas wusste.
Spurensuche, Nachforschungen in Archiven und Spendensammeln ermöglichten schließlich die Erstellung und Anbringung der Erinnerungstafel.
Begleitet wurde diese Aktion von einer dreiwöchigen Ausstellung in der benachbarten Paul-Gerhardt-Kirche mit dem Titel »›In Hamburg ist meine Jugend geblieben‹ – Zwangsarbeit in Hamburg 1939 – 1945», die etwa von 500 Menschen besucht wurde, außerdem von einem Vortrag der Historikerin Dr. Friederike Littmann, deren Forschungen die wichtigste Grundlage der Arbeit war und von einer öffentlichen Filmvorführung.
Aktuelle Ergänzung: Am 4. Juli 2007 besuchte eine Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge von der Krim (Ukraine) die Erinnerungstafel und berichtete im Anschluss sehr anschaulich und eindringlich von ihren furchtbaren Erfahrungen im nationalsozialistischen Deutschland und ihren erlittenen Qualen.
Am Gespräch nahmen neben einigen Schülern der Arbeitsgruppe der 10d, die bereits mit dem Abschluss der 10. Klasse die Schule verlassen hatten, und interessierte Schüler einer achten Klasse teil, die möglicherweise die angefangene Arbeit aufnehmen werden, um über die nationalsozialistischen Zwangsarbeiterlager auf dem Schulgelände mehr herauszufinden.
[Elisabeth Schulte]


