Eine Solar­an­lage für eine Schule in Mali

[ergän­zend zu die­sem Arti­kel bie­ten wir Ihnen eine Bro­schüre [PDF, 51 Sei­ten, viele Farb­fo­tos, ca. 2,3MB], an.

Mitglieder der Maligruppe 2006

Mit­glie­der der Mali­gruppe 2006

Auf­bau einer Schul­part­ner­schaft -
Strom für unsere Part­ner­schule in Mali

Im Okto­ber 2001 fing alles an. Leh­rer und Schü­ler der Schule Alpha Ali Seck aus Ban­dia­gara in Mali/Westafrika wünsch­ten sich eine Solar­an­lage zur Strom­ge­win­nung, um auch bei Dun­kel­heit am Abend ler­nen zu kön­nen. Dies hat­ten wir von Madani Dem­bele, einem mali­schen Stu­den­ten, erfah­ren, der selbst diese Schule besucht hatte. Das Pro­jekt »Strom für Ban­dia­gara« wurde ins Leben geru­fen Das Ziel war klar, wir woll­ten nach Mali flie­gen mit einer klei­nen Solar­an­lage im Gepäck. Schnell fan­den sich Leh­rer und Schü­ler, die von die­ser Idee begeis­tert waren. Für uns stand jedoch fest, dass unser Haupt­an­lie­gen der Auf­bau einer kon­ti­nu­ier­li­chen Schul­part­ner­schaft zwi­schen der Schule Alpha Ali Seck und der Max-Brauer-Gesamtschule sein sollte. Das musste gut vor­be­rei­tet wer­den. Bis zu unse­rem Abflug im Februar 2003 tra­fen wir uns regel­mä­ßig in unse­rer »Mali­gruppe«. In klei­nen Pro­jekt­grup­pen wurde inten­siv gear­bei­tet. Wir beschäf­tig­ten uns mit der Tech­no­lo­gie Pho­to­vol­taik, bau­ten unsere Solar­an­lage pro­be­weise auf, mach­ten Mes­sun­gen und Expe­ri­mente rund um die Solar­en­er­gie im Phy­sik­un­ter­richt und auch im Zen­trum für Schul­bio­lo­gie. In der Gewer­be­schule 10 lern­ten wir unter Anlei­tung eines Elek­tro­tech­ni­ker­meis­ters das Kabel­ver­le­gen und Grund­be­griffe der Elek­tro­in­stal­la­tion. Wir beschäf­tig­ten uns mit dem Land Mali, des­sen Kul­tur, Geschichte und den Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen, mach­ten einen Crash­kurs in Fran­zö­sisch und plan­ten, wie eine Schul­part­ner­schaft zwi­schen bei­den Schu­len nach­hal­tig auf­ge­baut wer­den könnte.

Elektrifizierung

Elek­tri­fi­zie­rung

Besuch aus Mali

Besuch aus Mali

Besuch aus Mali

Noch im Sep­tem­ber 2002 konn­ten wir den Besuch zweier Leh­rer aus Ban­dia­gara , Hablo und Marie, zusam­men mit der Senats­kanz­lei orga­ni­sie­ren. Für einen Monat waren sie unsere Gäste und haben sich vor allem mit der viel­fäl­ti­gen Nut­zung rege­ne­ra­ti­ver Ener­gien beschäf­tigt und natür­lich unsere Schule ken­nen gelernt. Der Besuch endete mit einem gro­ßen Malifest in unse­rer Schule, zu dem auch der Hono­rar­ge­ne­ral­kon­sul von Mali ein­ge­la­den war.
Auch das Geld für die Finan­zie­rung unse­res Pro­jek­tes musste ein­ge­trie­ben wer­den. Neben den Gel­dern, die von Stif­tun­gen, Behör­den und kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen gekom­men sind, haben wir soge­nannte »Anteils­scheine« für unsere Solar­an­lage zum Kauf ange­bo­ten, die von den Schü­lern in pri­va­ten Krei­sen aber auch auf unse­ren Floh­märkte mit viel Enga­ge­ment ver­kauft wurden.

Am 28. Februar flie­gen wir los
Alles läuft anders als geplant…

Gut vor­be­rei­tet tra­ten wir unsere Reise mit 10 Schü­lern aus den Jahr­gän­gen 8 und 11 im Alter zwi­schen 13 und 19 Jah­ren, eini­gen Leh­rern, einem Arzt und einem Elek­tro­in­ge­nieur an. In Mali ange­kom­men muss­ten wir uns mit vie­len uner­war­tet auf­tre­ten­den Pro­ble­men aus­ein­an­der set­zen, da unser mali­sche Beglei­ter schwer erkrankte und viele Vor­be­rei­tun­gen für unser Pro­jekt nicht mehr erle­di­gen konnte. So hing unsere Solar­an­lage nach einer auf­re­gen­den Odys­see von Dakar nach Bamako im mali­schen Zoll fest und ist lei­der trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen auch mit Hilfe der Deut­schen Bot­schaft nicht mehr recht­zei­tig vor unse­rer Abreise in der Schule von Ban­dia­gara ange­kom­men. Inzwi­schen ist sie jedoch von Paul, einem Tech­ni­ker der GTZ gemein­sam mit Leh­rern und Schü­lern auf­ge­baut wor­den. Sechs Klas­sen­räume wur­den elek­tri­fi­ziert, die jetzt beleuch­tet sind und ihren Strom aus unse­rer Solar­an­lage bezie­hen. Belco, der Direk­tor, ist über­glück­lich, dass sein Wunsch end­lich in Erfül­lung gegan­gen ist. Bei Dun­kel­heit kön­nen vor allem die Abschluss­klas­sen jetzt in den beleuch­te­ten Klas­sen­räu­men für ihre Arbei­ten unge­stört ler­nen. Die Schule wünscht sich sehr, dass noch wei­tere Räume elek­tri­fi­ziert und mit Solar­strom ver­sorgt werden.

Die Schul­part­ner­schaft wird begründet

Wir konn­ten die 2 Wochen unse­res Auf­ent­hal­tes in Mali sehr gut nut­zen. Bei unse­ren Besu­chen in allen Klas­sen haben wir viele Fra­gen beant­wor­tet und selbst neu­gie­rige Fra­gen gestellt. Die Solar­en­er­gie stand im Mit­tel­punkt einer Unter­richts­stunde, die wir zusam­men mit einer mali­schen Leh­re­rin gege­ben haben. Von unse­ren Schü­lern vor­be­rei­tet, wur­den mit den mali­schen Schü­lern Solar­spiel­ge­räte zusam­men gebaut und deren Funk­ti­ons­weise bei strah­len­dem Son­nen­schein begeis­tert im Hof aus­pro­biert: Wie kann die Sonne einen Motor in Bewe­gung setz­ten, einen Pro­pel­ler so schnell zum Dre­hen brin­gen, wie muss die Solar­zelle zur Sonne gehal­ten wer­den, um mög­lichst viel Strom zu pro­du­zie­ren und wie funk­tio­niert Pho­to­vol­taik über­haupt? Ein Kof­fer mit 20 die­ser klei­nen Solar­ge­räte haben wir anschlie­ßend der Leh­re­rin für ihren Unter­richt über­reicht. Ein wei­te­res Geschenk war ein Solar­ko­cher, des­sen Funk­tion von allen bestaunt gleich auf dem Hof aus­pro­biert wurde: Wie kann das Was­ser im Koch­topf so schnell so heiß wer­den ganz ohne Feu­er­holz? In vie­len Gesprä­chen und Begeg­nun­gen haben wir einen klei­nen Ein­blick in west­afri­ka­ni­sche Lebens­ver­hält­nisse und Denk­wei­sen erhal­ten. Einige Schü­ler haben Inter­views gemacht und viel erfah­ren über die Situa­tion der Frauen im Dogon­land und das Zusam­men­le­ben in einer afri­ka­ni­schen Groß­fa­mi­lie. Andere haben einen GTZ-Vertreter aus­führ­lich über Inhalte und Sinn eines Pro­jek­tes zur zwei­spra­chi­gen Erzie­hung, das an unse­rer Part­ner­schule seit eini­gen Jah­ren in den Anfangs­klas­sen läuft, befragt. Wir haben ein tra­di­tio­nel­les Kran­ken­haus besucht, des­sen Heil­me­tho­den auf Kräu­ter, tra­di­tio­nelle Hei­ler und Mara­bus setzt.

Bei meh­re­ren Zusam­men­künf­ten mit allen mali­schen Leh­rern haben wir über Wün­sche und Erwar­tun­gen zur Schul­part­ner­schaft gespro­chen und gemein­same Ziele fest­ge­setzt. Zehn Schü­ler wur­den aus­ge­wählt, die als Ver­tre­ter der Schü­ler­schaft mit unse­ren Schü­lern in Brief­kon­takt tre­ten sol­len. Alle wur­den foto­gra­fiert und haben uns einen per­sön­li­chen Brief für unsere Schü­ler mit­ge­ge­ben. Beson­ders die vie­len abend­li­chen Zusam­men­künfte unter freiem Him­mel im Hof unse­res Hotels wer­den uns noch lange in Erin­ne­rung blei­ben. Einige Leh­rer haben sich als wahre Geschich­ten­er­zäh­ler gezeigt: Mit viel Humor und Freude haben wir eine kleine Kost­probe aus der rei­chen Welt der Fabeln und Geschich­ten vor­ge­tra­gen bekom­men. Immer wie­der hat uns beein­druckt, wie tief ver­wur­zelt viele Men­schen in Mali in ihrer Kul­tur und Tra­di­tion leben und wie viel Kraft und Stolz sie für ihr täg­li­ches Leben dar­aus zu zie­hen scheinen.

Nach Essen­s­ein­la­dun­gen in meh­rere Fami­lien, deren Gast­freund­schaft und Groß­zü­gig­keit uns über­wäl­tigt hat, wurde zu unse­rem Abschied von der Schule ein groß­ar­ti­ges Fest mit Mas­ken­tän­zen und Trom­mel­mu­sik für uns ver­an­stal­tet, zu dem auch alle Dorf­äl­tes­ten und der Bür­ger­meis­ter ein­ge­la­den waren.

Dorffest mit Masken

Dorf­fest mit Masken

Dorffest mit Masken

Dorf­fest mit Masken

Zurück in Ham­burg mit vie­len neuen Ein­drü­cken und Erfahrungen

So haben wir Mali mit dem Gefühl ver­las­sen etwas Nütz­li­ches für unsere Part­ner­schule erreicht zu haben, aber auch selbst reich beschenkt wor­den zu sein. Die Nut­zung unse­rer Solar­an­lage stellt für unsere Part­ner­schule in Mali einen hohen Wert dar. Den Aus­tausch zwi­schen Schü­lern und Leh­rern bei­der Schu­len zu inten­si­vie­ren ist für uns lang­fris­tig von grö­ße­rer Bedeu­tung. Eine aktive Nord-Süd-Partnerschaft bie­tet die groß­ar­tige Chance im direk­ten Kon­takt unmit­tel­bar von­ein­an­der zu ler­nen und eigene Wert­vor­stel­lun­gen zu hinterfragen.

Nach die­ser ers­ten Reise nach Mali haben wir über vie­les nach­ge­dacht. Das Geschenk einer Solar­an­lage sollte wie alle Hil­fe­leis­tun­gen immer wie­der kri­tisch ins Ver­hält­nis gesetzt wer­den zu den Lebens­be­din­gun­gen der Men­schen, denen sie über­reicht wird. Auch sollte sen­si­bel beob­ach­tet und erfragt wer­den, mit wel­chen tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten die Beschenk­ten selbst über­haupt aktiv umge­hen kön­nen und vor allem auch wollen.

[Inge Fed­der­sen]


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